Das Kind im Zentrum – Impulse für einen kindgerechten Ganztag : Datum:

Der erste Tag des Bundeskongresses „Das Kind im Zentrum“ bot den Teilnehmenden die Chance, über den Tellerrand zu schauen

Zeitliche Agenda des Ganztagskongresses
© BMBF

Spannende Impulse aus der Fachwelt, konkrete Erfahrungen von an der Basis Tätigen, Chance zur Vernetzung und zum Austausch – rund 300 Teilnehmende in Berlin und 230 Teilnehmende online nutzten diese Gelegenheiten am ersten Tag des Ganztagskongresses 2025 „Das Kind im Zentrum“ intensiv.

„Ein fächerübergreifender, fantasievoller und an den Bedürfnissen der Kinder orientierter Ganztag öffnet diesen die Tür zur eigenen Lebenswelt“, stellte Stephan Ertner, Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) zum Auftakt des Kongresses fest. Das BMBF hatte gemeinsam mit dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) zu der Veranstaltung ins Humboldt Carré nach Berlin und online eingeladen.

Visionen, wie kindgerechte Bildung im Ganztag gelingen kann, zeichneten die Medienwissenschaftlerin Dr. Anna Grebe und Michael Fritz (Initiative Zukunftsbildung gGmbH). Grebe sieht drei wesentliche Visionen: „Der Ganztag benötigt Kinder als Experten in eigener Sache, die Kooperation von Schule und Jugendhilfe auf Augenhöhe sowie den Mut zu Innovationen.“ Michael Fritz schilderte eindrucksvoll, wie motivierend spannender Ganztag und wie ermüdend „langweiliger“ Unterricht sein können. Er äußerte die Überzeugung: „Gemeinsam sollten Schule und Jugendhilfe den Kindern Aufgaben präsentieren, die sie motivieren, sich der Herausforderung zu stellen, mit Unbekanntem umzugehen, die eigene Angst davor in Energie zu wandeln und Verantwortung für sich und die anderen zu übernehmen.“

In einer munteren sich anschließenden Gesprächsrunde bedauerte der Bundesvorsitzende von Seniorpartner in School, Matthias Kraemer, die Mauern zwischen Zivilgesellschaft, Schule, Verwaltung und Politik. Sein Wunsch: „Alle sollten an einem Strang ziehen“. Um Verständnis für Mandatsträger warb Dr. Lena Irmler (Ministerium für Bildung, Jugend und Sport Brandenburg): „Nicht alle verfügen verständlicherweise über die pädagogische Fachbildung, die Sie hier auszeichnet. Wir müssen die Mandatsträger deshalb mitnehmen, ihnen unsere Anliegen ,übersetzen`.“

Praxiseinblicke kompakt und informativ

16 Fachforen eröffneten den Blick in die praktische tägliche Arbeit. Vier Pecha-Kucha-Vorträge (20 Sekunden Wortbeitrag zu 20 aussagekräftigen Fotos) rundeten diese Eindrücke ab.

Daniela Dockendorff, Leiterin der Grundschule Hasenfänger (Andernach), präsentierte den Alltag „ihrer“ Schülerinnen und Schüler aus der Perspektive eines Kindes: „Wir gestalten uns Schule so wie wir sie uns vorstellen. Alle Ideen werden ernstgenommen.“ Svenja Ksoll (German Toilet Organization) unterstrich, dass sich am „alten“ Dilemma wenig einladender Toiletten in den Schulen bis heute zu wenig getan habe. Aber sie machte Hoffnung: „Dort, wo die Schülerinnen und Schüler in die Gestaltung der Toilettenräume einbezogen werden, sehen wir Verbesserungen.“

Wer Kulturelle Bildung im Ganztag stärken möchte, ist bei den Beratungsstellen „Kultur macht stark“ gut aufgehoben, kann sich dort Anregungen und Unterstützung holen, versprach Sophia Roggenbuck von der Beratungsstelle in NRW. Sehr reflektiert blicken nach Ansicht von Sandra Liebender (Initiative Gutes Aufwachsen mit Medien) die Kinder und Jugendlichen auf den Umgang mit Digitalem. „Sie sehen die Möglichkeiten, verschließen aber vor den Risiken des Netzes nicht die Augen“, betonte sie in ihrem Vortrag.